Tag 7 – Rückschau, Tipps und Heimreise

Heute ist der 28. Dezember – der Tag des Abschieds. Und wir wollen nicht wieder weg. Obwohl es eine unwirtliche Zeit ist, nachts um drei Uhr von einem beauftragten Fahrer der Öger Tours zur Fahrt zum Flughafen Antalya abgeholt zu werden. Wir haben noch etwas Watte im Kopf nach dem gestrigen Tag. Und wir wollten gestern doch noch im Tageslicht für diesen Blog einige Bilder vom Hotel machen, vom Abendessen-Buffet, vom Hotelpersonal. Aber da wir erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder zurück waren und uns sofort hingelegt hatten, kamen wir leider nicht mehr dazu. Schade.

Aufgefallen ist uns, dass wir in all den Tagen nicht ein einziges Mal das Fernsehgerät im Zimmer eingeschaltet hatten. Lediglich am ersten Tag hatte Michael sich einmal einen Überblick über das Programmangebot verschafft. Außer den ortsüblichen Sendern gab es im Hotel-TV lediglich ZDF, SAT.1, RTL und vox. Also nichts, was man verpassen könnte. Die Affäre rund ums Kabinett Erdoğan ist dieser Tage eh Dauergesprächsthema bei einheimischen Reiseführern, dafür brauchten wir kein deutsches Fernsehen. Uns kam dieser Politthriller nur gelegen, ist der Kurs des türkischen Lira dadurch kurzfristig eingebrochen, somit haben wir mehr Lira pro Euro gekriegt. Aber mittlerweile hat sich der Kurs wieder etwas stabilisiert. Apropos Bargeldbezug: wir empfehlen die SparCard der Postbank. Auf diese überweist man sich vor Anreise in die Türkei einen gewissen Eurobetrag, den man während seines Aufenthaltes verkleckern will und hat dann pro Jahr zehn Barabhebungen an jedem VISA-Geldautomaten kostenlos – und das kursgünstig.

Und wo wir gerade bei Tipps sind – Thema Mobilfunk und mobiles Internet. Lange Jahre war ja Turkcell der Platzhirsch mit dem bestausgebauten Netz in der Türkei. Das hat sich mittlerweile drastisch gewandelt. Es gibt hier die drei Netze Turkcell, vodafone TR und AVEA. Vodafone TR ist ähnlich wie in Deutschland überteuert, und wenn man nicht aufpasst, gerät man beim Roaming in tückische Fallen und zahlt beim mobilen Internet EUR 1,65 – pro 50 kB! Unser Tipp: turktelekommobile.de. Hört sich sehr türkisch an, ist aber ein Prepaid-Reseller von O2-de mit sehr günstigen Roaming-Optionen für das türkische AVEA-Netz. Dieses ist hervorragend ausgebaut – selbst in abgelegenen Bergregionen, in denen nicht einmal mehr Radioempfang möglich ist, hat man beste UMTS-/HSDPA-Verbindungen! Hier gibt es also nirgends schleichende EDGE-Verbindungen wie in vielen ländlichen Gegenden Deutschlands. Eingehende Anrufe aus Deutschland sind kostenlos, ausgehende Anrufe in die Türkei und nach Deutschland kosten – je nach Tarifoption – 5 bzw. 15 cent/Minute. Aufladen kann man ganz einfach mit gängigen deutschen O2-Karten von der Tanke.

Um drei Uhr also Abfahrt vom Hotel. Der Fahrer gab richtig Gas und hat uns in rekordverdächtigen 100 Minuten nach Antalya gebracht.

Frühstück

Warten in Antalya – mit Sesamstangen. Wir hatten ja noch kein Frühstück!

Start bei Sonnenaufgang.

Start bei Sonnenaufgang.

Sicherheitskontrolle am Inlandsterminal (wir fliegen ja erstmal nach Instanbul), Einchecken, und um 6.40 Uhr waren wir in der Luft.

Istanbul-Transit zum Auslandsflug-Terminal

Istanbul-Transit zum Auslandsflug-Terminal

In Istanbul dann rüber zum Auslandsflug-Terminal – wir hatten diesmal nur zwei Stunden Aufenthalt, und so konnten wir uns ein wenig im Duty-free-Shop umtun. Auch diesmal haben wir uns – wie vor drei Jahren – einen Geschenkkarton mit zwei Flaschen Rakı und zwei Gläsern mitgenommen. Dazu noch ein wenig Süßigkeiten. Und eine Stange Billig-Zigaretten für 22 EUR (hätten wir das vorher gewusst, hätten wir uns vorher in Alanya eine Stange einheimischer Zigaretten für 50 Lira/17 EUR mitgenommen). So sind wir unsere letzten 100 TL losgeworden – bis auf einen 5-Lira-Schein, den Michael als Souvenir im Portmonee hat. Dann der „große“ Flug von Istanbul nach Bremen,

Ein letztes Mal Sonne - über ungarischen Wolken.

Ein letztes Mal Sonne – über ungarischen Wolken.

noch einmal das gute Bord-Mittagessen, noch einmal Türkischkenntnisse bei den türkischen Flugbegleiterinnen bei der Getränkebestellung anbringen – und um kurz nach 14 Uhr sind wir dann pünktlich in Bremen gelandet. Schon bei der Öffnung der Türen war uns klar: Dieselgestank und Mistwetter – wir sind in Deutschland. Auffällig war die sehr intensive Passkontrolle mit entsprechender Wartezeit. Auch diesmal flogen wir fast nur mit türkischen Reisenden, die ja ein Visum für die Einreise benötigen. Als wir an der Reihe waren, wurden wir nur kurz nach dem Blick auf unsere Ausweise durchgewunken – da kamen wir uns fast ein bisschen schäbig gegenüber den türkischen Landsleuten vor.

Noch kurz ein Spässken bei der Zollkontrolle – als wir im grünen Durchgang in Hörweite des jungen Zollbeamten waren, sagte Michael zu Damaris „Einmal kontrolliert werden, ich hab das noch nie erlebt, ich kenn das nur ausm Fernsehen“, da grinst uns der Zöllner an und sagt „Darf ich mal kurz in ihr Handgepäck sehen?“ Mit dem Handgepäck meinte er unsere Plastiktüten aus dem Duty-Free-Laden Istanbul. „Ah ja – die zwei Flaschen, eine Stange Zigaretten und die ‚After Eight‘. Sonst irgendwie Waffen oder Drogen?“ – „Nö, außer denen in der Tüte nichts.“ – (lächelnd) „Denn noch eine schöne Heimreise!“ Gut, haben wir das auch mal mitgemacht.

Nun noch die letzte Etappe der Heimreise. Shuttleservice zum Parkplatz bestellen, Auto abholen und dann noch 230 km Richtung nach Hause. Und da machte sich dann doch das Schlafdefizit der letzten Tage bemerkbar. Tagsüber viel unterwegs, nachts an den Blogeinträgen basteln – das merkte man auf der Fahrt entlang der A1/A21 doch ein wenig. Kurz nach 16.30 Uhr waren wir wieder zu Hause – mit ganz vielen Eindrücken im Kopf, einem erweiterten Türkisch-Wortschatz und einem weißen Streifen unter der Armbanduhr, der die letzten sieben Tage keine Sonne abgekriegt hatte. Ab 18 Uhr haben wir 15 Stunden am Stück geschlafen, und das Aufwachen danach war sehr befremdlich: Wachwerden ohne Sonnenschein und sich wieder selbst ums Frühstück kümmern müssen – das kann man sich ganz schnell abgewöhnen 😉 Nach dem Aufstehen Blick aufs Wetter-Widget: es regnet in Alanya! Sei es der Region gegönnt – man braucht es dort dringend!

Dieses Weblog werden wir jetzt aber noch nicht schließen, denn wir kommen ganz bestimmt wieder – irgendwann, bald. Dann natürlich nicht mehr als Hochzeitsreise 😉 Bis dahin: Mutlu yıllar!

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Tag 6 – Sanfter Tourismus … oder auch nicht

Eigentlich sollte dieser Tag ja unter dem Zeichen „Sanfter Tourismus“ stehen. Das heißt bei uns: Am letzten Tag keinen Alkohol 😀 . Doch dann kam alles ganz anders. Aber so richtig anders! Aber der Reihe nach.

SonnenaufgangHeute früh haben wir mal einen richtig schönen Sonnenaufgang über dem Burgberg genossen. Es sollte ja schließlich unser letzter für dieses Mal sein. Sonnenaufgang war heute um 7.02 Uhr. Wir also zeitig rüber zum Strand.

Vorgesehen hatten wir für heute einen Geocache namens „Alanya anders„. Und wie bereits angedeutet: Es kam alles anders! Dieser Cache sollte eine Bergwanderung ins Landesinnere werden bis auf etwa 400 Meter über NN (wir erinnern uns an Tag 1, Balkonblick links – dort hinauf sollte es gehen).

Den Ort, wo wir hier stehen, sehen wir sonst immer vom Hotelbalkon aus.

Den Ort, wo wir hier stehen, sehen wir sonst immer vom Hotelbalkon aus.

Dazu sind wir um 10 Uhr mit dem Dolmuş (Linie 5) bergaufwärts Richtung Tepe gefahren und sind auf Höhe der Hızır-Ilyas-Ruinen ausgestiegen. Hızır ist der Schutzengel des Landes und Ilyas der Schutzengel des Meeres. Ilyas ist übrigens derselbe, den wir als Prophet Elias aus der Bibel, 1. Buch der Könige kennen. Hier an diesem Ort tranken also diese beiden Engel das Wasser der Ewigkeit, und dies wird in der türkisch-islamischen Welt jedes Jahr am 5. Mai als kleiner Feiertag begangen. Im Koran spielen übrigens eine Reihe von Propheten eine Rolle, die auch aus der Bibel bekannt sind. Eben der besagte Elias und viele weitere aus dem Alten Testament (Abraham – Ibrahim, Musa – Mose, Jaqub – Jakob usw.),  aber auch neutestamentarische Propheten wie Jesus (Isa) und Jahja (Johannes).

Michael beim Lösen einer Rätselaufgabe.

Michael beim Lösen einer Rätselaufgabe.

Ausblick mit Kaktus

Ausblick mit Kaktus

Hier ist die Aussicht über Alanya schon mal großartig. Aber es sollte noch schöner kommen. Der besagte Geocache ist ein so genannter „Multi“, d. h. man kommt wie bei einer Schnitzeljagd an verschiedene Punkte und muss Aufgaben oder Rätsel lösen. Wir sind also weiter zur nächsten Station getapert und stießen auf eine alte Ziegenhirtin, die gerade ihre Herde bergab trieb. BergziegenAus Rücksichtnahme haben wir nur die Ziegen fotografiert (nach islamischen Glauben darf man Menschen nicht fotografieren, sonst entreißt man diesem Menschen einen Teil seiner Seele).

Weiter bergauf. Wir kamen an eine verlassene griechisch-orthodoxe Kirche, die aber seit 1924 nicht mehr genutzt wird. Weiter ging es in ein Dorf, vorbei an einem Friedhof (wir brauchten für eine Aufgabenlösung das Geburts- und Todesjahr eines gewissen Mehmet Görucu). Wir hielten an einem Rastplatz mit klarem Gebirgswasser.

Cache final Alanya-anders

Gefunden und gelogged!

Kurz nach 13 Uhr hatten wir das endgültige Ziel erreicht und auch bald die gesuchte Dose in den Händen. Wir hatten gerade unseren Logeintrag hinterlassen und die Dose wieder versteckt, da nahm das Schicksal seinen Lauf.

Michael war gerade dabei, die GPS-Daten für den Heimweg ins Gerät einzugeben, da hielt ein Auto an und ein junger Mann sprach uns an. Smalltalk mit Touristen, woher, wohin usw. Er lud uns dann ein, in sein Dorf mitzukommen, er wollte uns sein Haus zeigen. Er erzählte uns, dass letzte Woche erst sein Vater gestorben sei. Wir dachten uns, na ja, wir sind zu zweit, vorurteilsfrei sowieso, wir sind hier weitab von der Tourismusgegend, was kann schon passieren? Wir also rein in Hassans Auto. Wir erzählten ihm unsererseits, dass wir auf Hochzeitsreise seien. Ihm gefiel es, dass sich Deutsche aus Alanya auch mal zu Fuß in seine Gegend verirrten und wiederholte ständig „Ihr seid keine Touristen, ihr seid Freunde!“ Und genauso herzlich sind wir auch in seinem Dorf aufgenommen worden: Eine Decke wurde auf dem Boden der Diele seines Hauses ausgebreitet. Essen, Trinken, Nachbarn kamen dazu, es gab reichlich Rakı und Efes-Xtra (ein etwas höherprozentiges Bier als das Efes Pilsen). Hassan ist früher zur See gefahren und war häufig in Hamburg, daher sein passables Deutsch. Heute verdient er sein Geld im Sommer als Masseur in Side, im Winterhalbjahr bewirtschaftet er sein Haus. Er zeigte uns stolz seinen eigenangebauten Pfirsichbaumgarten. Da oben in den Bergen wird es nachmittags im Winter schnell kühl, und so haben wir uns den Rest des Tages in seiner Wohnung im 2. Obergeschoss aufgehalten und noch viel rakıseliges Zeug geredet.

Brüderschaft

Brüderschaft mit Rakı

Brüderschaft mit Schwester

Brüderschaft mit Schwester – und Küsschen gabs dazu!

Nach Einbruch der Dunkelheit hat Hassan uns dann wieder hinunter zum Hotel gefahren – ganz vorsichtig, er war ja auch nicht mehr so ganz nüchtern. Wir haben nicht mitgezählt, wie oft er uns für kommende Urlaube eingeladen hat – für lau, versteht sich. Also dieses ursprüngliche Leben gefiel uns schon sehr gut, der Ausblick ist fantastisch, und für Michaels Ambitionen in Sachen Amateurfunk ist diese Lage für UKW-Verbindungen übers Mittelmeer geradezu perfekt! Na ja, Hassan hat unsere Kontaktdaten und wir werden sehen, ob wir jemals wieder von ihm hören werden.

Kurz nach 18 Uhr waren wir also wieder im Hotel, haben das Abendessen sausen lassen und haben uns ziemlich angetrunken sofort hingelegt. Schließlich werden wir heute Nacht um drei schon abgeholt Richtung Flughafen Antalya. Wir wollen hier nicht weg!!!

Morgen mehr, wenn wir wieder nüchtern sind 😉 – bis dahin.

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Tag 5 – Zweiter Weihnachtstag in Antalya

Heute also wieder ein von Öger Tours arrangierter Ausflug. Und den machten wir auch nur mit, weil er im Gesamtpaket enthalten war. In der Frühe wurden wir mit einem Bus abgeholt und nach Antalya gekarrt. Erster Anlaufpunkt war eine Goldmanufaktur. Lästig und überflüssig – es gab zwar viel zu bestaunen, aber das Verkaufspersonal versucht einen ständig in Gespräche zu verwickeln, womit doch ein gewisser psychologischer Kaufdruck ausgeübt wird. Die meisten Teilnehmer waren schnell durch die Ausstellungsräume hindurch und wieder draußen. Leider wird dieser kostenlose Tagesausflug von dieser Schmuckfirma subventioniert.

Denizim Park

Denizim Park

Diese sehr süßen Kuchen gibt es häufig zum Dessert,

Diese sehr süßen Kuchen gibt es häufig zum Dessert,

"Bist'n feinen Kerl, mein Jung!"

„Bist’n feinen Kerl, mein Jung!“

Nächster Anfahrtspunkt war das Mittagessen im „denizim park“, einem großen Festsaalbetrieb in Flughafennähe, wo auch Einheimische z. B. Hochzeiten feiern. Hier gab es als Menü wahlweise Fisch (hatten wir doch gestern erst) oder Kebap. Die Parkanlage war dann noch einen kurzen Rundgang wert. Dann ging es weiter zum Wasserfall. Den haben wir hier ja bereits vor drei Jahren vorgestellt. Antalya wurde einst auf einem 39 Meter hohen Felsplateau aufgebaut, und so kommt es, dass Flüsse hier in Form von Wasserfällen ins Meer münden. In touristischen Beschreibungen badet man ja gern in Superlativen, und so hört und liest man häufig, dass dieser Wasserfall mit seinen 35 Metern der größte der Welt sei – der ins Meer mündet. Aha. Ja klar, die meisten Wasserfälle findet man ja im Landesinnern.


Durch Goldmanufaktur, Mittagessen und Wasserfallkucken ist viel Zeit verloren gegangen, so dass uns gerade mal eineinhalb Stunden selbstbestimmte Freizeit blieben. Was macht man in der kurzen Zeit rund um den Treffpunkt am Bus, ohne den Weg zu verlieren? Wir haben eine Moschee besucht und hatten das Glück, mitten in das Nachmittagsgebet hinein zu geraten.

Moscheeoutfit: Schuhe aus und Kopftuch drüber.

Moscheeoutfit: Schuhe aus und Kopftuch drüber.

Damaris hat für solch einen Fall ein Kopftuch dabei, und das Ritual und die Stille haben wir sehr genossen.

Was gibt es noch Berichtenswertes über Antalya zu erzählen? Antalya ist eine Partnerstadt von Nürnberg (umgekehrt natürlich auch 😉 ). Erkennbar ist das an der hiesigen Straßenbahn – die alte, einspurige Linie 1 in Antalya wird seit 1999 von ausrangierten Straßenbahnwagen aus Nürnberg befahren. Mehr zu dieser Straßenbahnlinie hier.Straßenbahn Antalya

Alles in allem: der ganze Ausflug ist vertane Zeit. Unsere Empfehlung: fahren Sie auf eigene Faust mit dem Dolmuş-Bus nach Antalya und lassen Sie sich durch Märkte und Basar-Gassen treiben. Wenn Sie eine Stadtführung möchten, können Sie sich entweder jederzeit an die Tourist-Info wenden oder aber Sie lassen sich von einheimischen Stadtführern ansprechen, die hier überall herumlaufen und Ihnen Rundgänge für fünf Euro anbieten. Finden wir sehr nett – aber es ist natürlich auch Vorsicht geboten. Hier wie überall gibt es schwarze Schafe. Unser Leser Abdulkerim Demir hat uns auf seinen Antalya-Reiseführer aufmerksam gemacht, in welchem man weitere wertvolle Infos zu dieser Millionenstadt findet. Vielen Dank dafür!

I love Antalya

Den morgigen Tag planen wir wieder selber. Ein Stückchen mit dem Linienbus die Berge hinauf und zu Fuß wieder runter – das wird also fantastische Bilder mit Ausblicken über Alanya geben. Bis morgen!

P.S.: Damaris‘ Messer, welches sie sich gestern beim Eisenschmied in den Bergen hat anfertigen lassen, ist heute am Hotel angeliefert worden und konnten wir nach unserer Rückkehr an der Rezeption in Empfang nehmen.

Widderhorn-Messer

Handgefertigt aus Widderhorn – und sogar richtig scharf!

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Tag 4 – Dörferrundfahrt ins Gebirge

25. Dezember. Heute gings mit einem Reiseführer per Bus hinauf bis auf 1.000 Meter. Es gab viele Fakten und Hintergründe über Land und Leute in der Türkei. Wir machten Halt in fünf Dörfern. Das Gebirge ist überwiegend bewaldet mit Kiefern und Platanen.

Taurusgebirge

Im tiefsten Winter kann man hier Ski laufen.

Noch bis in die 80er Jahre hinein war es so, dass die überwiegend reicheren Menschen oben im Gebirge lebten, während die ärmere Bevölkerung unten in Alanya ansässig war. Bevor die Stadt für den Tourismus erschlossen wurde, war das Gebiet in und um Alanya Sumpfgebiet. In der Erbfolge bekamen die Jungen die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen zugesprochen, während die Mädchen das unbrauchbare Strandgebiet bekamen. So kam es, dass viele Frauen heute steinreich sind, und das merkt man in vielen Familien auch, dass die Frauen das Sagen haben. Heute ist es so, dass die reichen Leute aus Alanya – Restaurantbesitzer, Hoteliers usw. – ihre neu gebauten Sommerhäuser in den Bergen haben, die im Winter ungenutzt sind. Derzeit ist man bemüht, das Hochland auch für den touristischen Wintersport zu erschließen.

Man wartet hier dringend auf länger anhaltende Regenfälle. In diesem Jahr gab es sehr wenige ergiebige Niederschläge, deswegen kann es sein, dass Alanya im kommenden Sommer ein Strom- und Wasserversorgungsproblem kriegt. Die Stauseen in den Bergen sind nahezu leer.

Während unserer letzten Reise vor drei Jahren berichteten wir ja über das Schulwesen. Dieses wurde vor einem Jahr komplett reformiert. Es herrscht  statt wie früher acht jetzt zwölf Jahre Schulpflicht (EU-Annäherung) – und es gibt nach wie vor Schuluniformzwang. Eine Schule konnten wir leider nicht mehr besichtigen – es gab zu viele Elternbeschwerden darüber, dass ständig der Unterrichtsfluss unterbrochen wurde, wenn da dauernd Touristengruppen rangekarrt wurden .

Im ersten Dorf besuchten wir eine Moschee und eine alte Eisenschmiede. Der Schmied zeigte uns seine Arbeit, und das wirkte auch authentisch. Er berichtete uns von Nachwuchssorgen in seinem Handwerk. Er fertigte vor unseren Augen ein Taschenmesser aus fransösischem Stahl und hiesigem Widderhorn. Dies konnte man auch käuflich erwerben.

Schmiede

Ach, Pils-Humpenstemmen geht, aber so einen Hammer kriegst du nicht hoch???

Das fertige Messer hat der Schmied showmäßig mit einem Vorschlaghammer „bearbeitet“ – es war „unkaputtbar“! Damaris hat sich eins bestellt, dieses fertigt er heute Abend und schickt es morgen per Dolmuş-Bus in unser Hotel. 15 TL kostet der Spaß. Nicht schlecht für ein nachhaltiges Produkt aus dem Handwerk. Ein bisschen Spaß musste natürlich auch noch sein. Wer von den anwesenden Frauen den besagten Vorschlaghammer am Ende des Stieles anheben konnte, sollte ein kleines Geschenk bekommen. Ist natürlich niemandem gelungen.

In einem weiteren Dorf waren wir zu Gast bei einer Familie, die ihr Haus für touristische Führungen öffnet. Jetzt im Winter ist natürlich nicht viel los, aber während der Saison ist dort natürlich ein Kommen und Gehen.

Tee und Pide auf der Veranda.

Tee und Pide auf der Veranda.

Man bietet Tee und Pide an und verkauft selbstgemachte Seidentücher. Und für die Gastfreundschaft lässt man natürlich auch etwas Trinkgeld da.

Jüngster Nachwuchs - das dritte Kind ist fünf Monate alt.

Jüngster Nachwuchs – das dritte Kind ist fünf Monate alt.

Nach eigenem Bekunden hat man davon kürzlich eine neue Waschmaschine finanzieren können.

Seni seviyorum

„Ich liebe dich“ auf türkisch.

Zum Mittagessen hielten wir im Ceren Piknik, ein uriges Ausflugslokal mit eigener Forellenzucht. Dort gab es dann standesgemäß Fisch und landestypische Salate mit Granatapfelsirup und einer Art Tomaten-Knoblauch-Pesto, dazu natürlich das obligatorische Ekmek (Weißbrot). Rund um dieses Anwesen konnten wir danach noch eine Kiwi-Plantage besichtigen. Ja, tatsächlich Kiwi! Man hat in den vergangenen Jahrzehnten festgestellt, dass Kiwi-Bäume klimabedingt hier hervorragend gedeihen.

Friseurbaum

Friseurbaum

Friseurstuhl

Friseurstuhl

Kleine Kuriositäten gab es auch: in einem Dorf-Stopp sahen wir einen hohlen Baum, in dem der örtliche Friseur seinen Stuhl hineinbauen hat lassen.

Running gag während der ganzen Fahrt waren einige wenige ältere Mitreisende, die hier nur wegen des schönen Wetters überwintern. Die waren natürlich permanent am Meckern über das Essen, begrüßten einen morgens im Bus schon  mit „Frohe Weihnachten“, was natürlich keiner hören wollte – und diese Leute haben dann auch prompt im Piknik Hähnchen mit Pommes bestellt.

Alles in allem: eine nette Rundfahrt, die wir eigentlich nur empfehlen konnten. Der Tourführer Orhan kommt übrigens ursprünglich von der Schwarzmeerküste, hat viele Jahre in Lübeck gearbeitet und spricht ein lupenrein-akzentfreies Deutsch.

Morgen gehts dann wieder zurück in die Zivilisation – Tagesausflug nach Antalya. Wie gehabt,  morgen mehr an dieser Stelle!

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Tag 3 – Heiligabend auf dem Meer und auf dem Burgberg

Gestern hatten wir uns ja im Bootshafen zu einer Kutterfahrt überreden lassen. Jetzt in der touristenarmen Zeit buhlt man um jeden einzelnen Teilnehmer, um überhaupt eine wirtschaftliche Mindestteilnehmerzahl zu erreichen. Und so war es auch heute.

Kutter

Unser Ausflugsboot

Auf dem Boot, für das wir eigentlich die Ausflugsfahrt gebucht hatten, waren wir die einzigen. So wurden wir kurz vor Abfahrt auf das daneben liegende Boot gebeten, auf dem bereits eine Handvoll Leute auf den Start wartete.

Die Fahrt ging rund um den Burgberg, vorbei an einigen Höhlen, in denen sich in grauer Vorzeit Piraten versteckt hielten. Ein mitfahrender Showmann hat sich über Bord begeben und ist die Felsenwand emporgeklettert.

Michael und Damaris

Auf dem Boot – Sonnenschein, Glücklichsein, Heiligabend

Während er in einer höher gelegenen Felswand verschwand, fuhr der Kutter weiter um die Burgberg-Halbinsel herum. ShowmanAuf der anderen Seite erschien der junge Mann wieder aus einer Höhle, gewagter Sprung aus 20 Meter Höhe, und nach kurzer Zeit war er wieder bei uns an Bord mit der üblichen Trinkgeld-Urne. Im Verlauf der Fahrt erzählte uns ein Ausflugsführer einige Fakten über Kızıl Kule (den „Roten Turm“ auf dem Burgberg) und die verschiedenen Höhlen, an denen wir vorbeikamen.

Zurück an Land ließen wir uns zunächst von Laden zu Laden treiben. Allüberall gegenwärtig sind Uhren-Imitate (Rolex, ICE) für 5 EUR/13 TL. Und natürlich Lacoste-Shirts für 10 EUR/28 TL (ja, genau diese Teile, wo das grüne Krokodil in die verkehrte Richtung kuckt 😉 ).

Uhrenkauf

Zwei Uhren für 10 EUR, Batterieeinbau inklusive.

Damaris hat sich hinreißen lassen, zwei bunte Plastik-Uhren mit ICE-Logo zu erwerben. Hallo, lieber Zoll in Bremen, wir kommen Samstag um 14.40 Uhr in Bremen an! 😀

Dann ließen wir uns in der Nähe des großen Atatürk-Denkmals nieder. Michael schaute in seiner Geocaching-App nach, was es so in der Umgebung zu finden gibt und stieß auf eine etwa 2,5 km lange Rundtour mit sieben Etappen, die in das Wohnviertel Tophane führt, die in Hanglage auf dem Burgberg liegt. Und die erste Etappe lag gerade mal hundert Meter entfernt. Ja, denn mal los – und wir haben es wieder mal nicht bereut!

Brücke im Park

Die Bodenplanken dieser Brücke haben wir gezählt – es sind 142.

Was wir da zu sehen bekommen haben an Ecken, wo nicht Jedermann hinkommt – schön, interessant und immer mit dem phantastischen Blick über die Bucht von Alanya.

Bucht von Alanya

Blick vom Burgberg Alanya

Nachdem wir an allen sieben Etappen kleine Aufgaben gelöst haben, führte uns das GPS ziemlich weit den Hang hinauf zum Dosenversteck.

Orangenbaum

Frische Orangen für Ihren bunten Teller gefällig?

Von Heiligabend keine Spur, und das wollten wir auch so. Von einem Bruder von Damaris hatten wir kurz vor der Abreise noch einen späten Zwanziger zur Hochzeit bekommen. Den haben wir heute nach dem Abendessen an der Hotelbar in Rakı umgesetzt, verbunden mit nettem Smalltalk mit dem Barkeeper (der in Personalunion auch unser Frühstücks- und Abendessenkellner ist).

Morgen geht es ins Gebirge – und mit Chance gibt es dort auch Schnee. Morgen mehr an dieser Stelle!

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