Tag 4 – Dörferrundfahrt ins Gebirge

25. Dezember. Heute gings mit einem Reiseführer per Bus hinauf bis auf 1.000 Meter. Es gab viele Fakten und Hintergründe über Land und Leute in der Türkei. Wir machten Halt in fünf Dörfern. Das Gebirge ist überwiegend bewaldet mit Kiefern und Platanen.

Taurusgebirge

Im tiefsten Winter kann man hier Ski laufen.

Noch bis in die 80er Jahre hinein war es so, dass die überwiegend reicheren Menschen oben im Gebirge lebten, während die ärmere Bevölkerung unten in Alanya ansässig war. Bevor die Stadt für den Tourismus erschlossen wurde, war das Gebiet in und um Alanya Sumpfgebiet. In der Erbfolge bekamen die Jungen die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen zugesprochen, während die Mädchen das unbrauchbare Strandgebiet bekamen. So kam es, dass viele Frauen heute steinreich sind, und das merkt man in vielen Familien auch, dass die Frauen das Sagen haben. Heute ist es so, dass die reichen Leute aus Alanya – Restaurantbesitzer, Hoteliers usw. – ihre neu gebauten Sommerhäuser in den Bergen haben, die im Winter ungenutzt sind. Derzeit ist man bemüht, das Hochland auch für den touristischen Wintersport zu erschließen.

Man wartet hier dringend auf länger anhaltende Regenfälle. In diesem Jahr gab es sehr wenige ergiebige Niederschläge, deswegen kann es sein, dass Alanya im kommenden Sommer ein Strom- und Wasserversorgungsproblem kriegt. Die Stauseen in den Bergen sind nahezu leer.

Während unserer letzten Reise vor drei Jahren berichteten wir ja über das Schulwesen. Dieses wurde vor einem Jahr komplett reformiert. Es herrscht  statt wie früher acht jetzt zwölf Jahre Schulpflicht (EU-Annäherung) – und es gibt nach wie vor Schuluniformzwang. Eine Schule konnten wir leider nicht mehr besichtigen – es gab zu viele Elternbeschwerden darüber, dass ständig der Unterrichtsfluss unterbrochen wurde, wenn da dauernd Touristengruppen rangekarrt wurden .

Im ersten Dorf besuchten wir eine Moschee und eine alte Eisenschmiede. Der Schmied zeigte uns seine Arbeit, und das wirkte auch authentisch. Er berichtete uns von Nachwuchssorgen in seinem Handwerk. Er fertigte vor unseren Augen ein Taschenmesser aus fransösischem Stahl und hiesigem Widderhorn. Dies konnte man auch käuflich erwerben.

Schmiede

Ach, Pils-Humpenstemmen geht, aber so einen Hammer kriegst du nicht hoch???

Das fertige Messer hat der Schmied showmäßig mit einem Vorschlaghammer „bearbeitet“ – es war „unkaputtbar“! Damaris hat sich eins bestellt, dieses fertigt er heute Abend und schickt es morgen per Dolmuş-Bus in unser Hotel. 15 TL kostet der Spaß. Nicht schlecht für ein nachhaltiges Produkt aus dem Handwerk. Ein bisschen Spaß musste natürlich auch noch sein. Wer von den anwesenden Frauen den besagten Vorschlaghammer am Ende des Stieles anheben konnte, sollte ein kleines Geschenk bekommen. Ist natürlich niemandem gelungen.

In einem weiteren Dorf waren wir zu Gast bei einer Familie, die ihr Haus für touristische Führungen öffnet. Jetzt im Winter ist natürlich nicht viel los, aber während der Saison ist dort natürlich ein Kommen und Gehen.

Tee und Pide auf der Veranda.

Tee und Pide auf der Veranda.

Man bietet Tee und Pide an und verkauft selbstgemachte Seidentücher. Und für die Gastfreundschaft lässt man natürlich auch etwas Trinkgeld da.

Jüngster Nachwuchs - das dritte Kind ist fünf Monate alt.

Jüngster Nachwuchs – das dritte Kind ist fünf Monate alt.

Nach eigenem Bekunden hat man davon kürzlich eine neue Waschmaschine finanzieren können.

Seni seviyorum

„Ich liebe dich“ auf türkisch.

Zum Mittagessen hielten wir im Ceren Piknik, ein uriges Ausflugslokal mit eigener Forellenzucht. Dort gab es dann standesgemäß Fisch und landestypische Salate mit Granatapfelsirup und einer Art Tomaten-Knoblauch-Pesto, dazu natürlich das obligatorische Ekmek (Weißbrot). Rund um dieses Anwesen konnten wir danach noch eine Kiwi-Plantage besichtigen. Ja, tatsächlich Kiwi! Man hat in den vergangenen Jahrzehnten festgestellt, dass Kiwi-Bäume klimabedingt hier hervorragend gedeihen.

Friseurbaum

Friseurbaum

Friseurstuhl

Friseurstuhl

Kleine Kuriositäten gab es auch: in einem Dorf-Stopp sahen wir einen hohlen Baum, in dem der örtliche Friseur seinen Stuhl hineinbauen hat lassen.

Running gag während der ganzen Fahrt waren einige wenige ältere Mitreisende, die hier nur wegen des schönen Wetters überwintern. Die waren natürlich permanent am Meckern über das Essen, begrüßten einen morgens im Bus schon  mit „Frohe Weihnachten“, was natürlich keiner hören wollte – und diese Leute haben dann auch prompt im Piknik Hähnchen mit Pommes bestellt.

Alles in allem: eine nette Rundfahrt, die wir eigentlich nur empfehlen konnten. Der Tourführer Orhan kommt übrigens ursprünglich von der Schwarzmeerküste, hat viele Jahre in Lübeck gearbeitet und spricht ein lupenrein-akzentfreies Deutsch.

Morgen gehts dann wieder zurück in die Zivilisation – Tagesausflug nach Antalya. Wie gehabt,  morgen mehr an dieser Stelle!

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