Tag 6 – Sanfter Tourismus … oder auch nicht

Eigentlich sollte dieser Tag ja unter dem Zeichen „Sanfter Tourismus“ stehen. Das heißt bei uns: Am letzten Tag keinen Alkohol 😀 . Doch dann kam alles ganz anders. Aber so richtig anders! Aber der Reihe nach.

SonnenaufgangHeute früh haben wir mal einen richtig schönen Sonnenaufgang über dem Burgberg genossen. Es sollte ja schließlich unser letzter für dieses Mal sein. Sonnenaufgang war heute um 7.02 Uhr. Wir also zeitig rüber zum Strand.

Vorgesehen hatten wir für heute einen Geocache namens „Alanya anders„. Und wie bereits angedeutet: Es kam alles anders! Dieser Cache sollte eine Bergwanderung ins Landesinnere werden bis auf etwa 400 Meter über NN (wir erinnern uns an Tag 1, Balkonblick links – dort hinauf sollte es gehen).

Den Ort, wo wir hier stehen, sehen wir sonst immer vom Hotelbalkon aus.

Den Ort, wo wir hier stehen, sehen wir sonst immer vom Hotelbalkon aus.

Dazu sind wir um 10 Uhr mit dem Dolmuş (Linie 5) bergaufwärts Richtung Tepe gefahren und sind auf Höhe der Hızır-Ilyas-Ruinen ausgestiegen. Hızır ist der Schutzengel des Landes und Ilyas der Schutzengel des Meeres. Ilyas ist übrigens derselbe, den wir als Prophet Elias aus der Bibel, 1. Buch der Könige kennen. Hier an diesem Ort tranken also diese beiden Engel das Wasser der Ewigkeit, und dies wird in der türkisch-islamischen Welt jedes Jahr am 5. Mai als kleiner Feiertag begangen. Im Koran spielen übrigens eine Reihe von Propheten eine Rolle, die auch aus der Bibel bekannt sind. Eben der besagte Elias und viele weitere aus dem Alten Testament (Abraham – Ibrahim, Musa – Mose, Jaqub – Jakob usw.),  aber auch neutestamentarische Propheten wie Jesus (Isa) und Jahja (Johannes).

Michael beim Lösen einer Rätselaufgabe.

Michael beim Lösen einer Rätselaufgabe.

Ausblick mit Kaktus

Ausblick mit Kaktus

Hier ist die Aussicht über Alanya schon mal großartig. Aber es sollte noch schöner kommen. Der besagte Geocache ist ein so genannter „Multi“, d. h. man kommt wie bei einer Schnitzeljagd an verschiedene Punkte und muss Aufgaben oder Rätsel lösen. Wir sind also weiter zur nächsten Station getapert und stießen auf eine alte Ziegenhirtin, die gerade ihre Herde bergab trieb. BergziegenAus Rücksichtnahme haben wir nur die Ziegen fotografiert (nach islamischen Glauben darf man Menschen nicht fotografieren, sonst entreißt man diesem Menschen einen Teil seiner Seele).

Weiter bergauf. Wir kamen an eine verlassene griechisch-orthodoxe Kirche, die aber seit 1924 nicht mehr genutzt wird. Weiter ging es in ein Dorf, vorbei an einem Friedhof (wir brauchten für eine Aufgabenlösung das Geburts- und Todesjahr eines gewissen Mehmet Görucu). Wir hielten an einem Rastplatz mit klarem Gebirgswasser.

Cache final Alanya-anders

Gefunden und gelogged!

Kurz nach 13 Uhr hatten wir das endgültige Ziel erreicht und auch bald die gesuchte Dose in den Händen. Wir hatten gerade unseren Logeintrag hinterlassen und die Dose wieder versteckt, da nahm das Schicksal seinen Lauf.

Michael war gerade dabei, die GPS-Daten für den Heimweg ins Gerät einzugeben, da hielt ein Auto an und ein junger Mann sprach uns an. Smalltalk mit Touristen, woher, wohin usw. Er lud uns dann ein, in sein Dorf mitzukommen, er wollte uns sein Haus zeigen. Er erzählte uns, dass letzte Woche erst sein Vater gestorben sei. Wir dachten uns, na ja, wir sind zu zweit, vorurteilsfrei sowieso, wir sind hier weitab von der Tourismusgegend, was kann schon passieren? Wir also rein in Hassans Auto. Wir erzählten ihm unsererseits, dass wir auf Hochzeitsreise seien. Ihm gefiel es, dass sich Deutsche aus Alanya auch mal zu Fuß in seine Gegend verirrten und wiederholte ständig „Ihr seid keine Touristen, ihr seid Freunde!“ Und genauso herzlich sind wir auch in seinem Dorf aufgenommen worden: Eine Decke wurde auf dem Boden der Diele seines Hauses ausgebreitet. Essen, Trinken, Nachbarn kamen dazu, es gab reichlich Rakı und Efes-Xtra (ein etwas höherprozentiges Bier als das Efes Pilsen). Hassan ist früher zur See gefahren und war häufig in Hamburg, daher sein passables Deutsch. Heute verdient er sein Geld im Sommer als Masseur in Side, im Winterhalbjahr bewirtschaftet er sein Haus. Er zeigte uns stolz seinen eigenangebauten Pfirsichbaumgarten. Da oben in den Bergen wird es nachmittags im Winter schnell kühl, und so haben wir uns den Rest des Tages in seiner Wohnung im 2. Obergeschoss aufgehalten und noch viel rakıseliges Zeug geredet.

Brüderschaft

Brüderschaft mit Rakı

Brüderschaft mit Schwester

Brüderschaft mit Schwester – und Küsschen gabs dazu!

Nach Einbruch der Dunkelheit hat Hassan uns dann wieder hinunter zum Hotel gefahren – ganz vorsichtig, er war ja auch nicht mehr so ganz nüchtern. Wir haben nicht mitgezählt, wie oft er uns für kommende Urlaube eingeladen hat – für lau, versteht sich. Also dieses ursprüngliche Leben gefiel uns schon sehr gut, der Ausblick ist fantastisch, und für Michaels Ambitionen in Sachen Amateurfunk ist diese Lage für UKW-Verbindungen übers Mittelmeer geradezu perfekt! Na ja, Hassan hat unsere Kontaktdaten und wir werden sehen, ob wir jemals wieder von ihm hören werden.

Kurz nach 18 Uhr waren wir also wieder im Hotel, haben das Abendessen sausen lassen und haben uns ziemlich angetrunken sofort hingelegt. Schließlich werden wir heute Nacht um drei schon abgeholt Richtung Flughafen Antalya. Wir wollen hier nicht weg!!!

Morgen mehr, wenn wir wieder nüchtern sind 😉 – bis dahin.

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2 Antworten auf Tag 6 – Sanfter Tourismus … oder auch nicht

  1. Michael sagt:

    Mannometer, euer Urlaub ist ja so ein richtiger (kleiner) Abenteuerurlaub ;-).

    Gruß
    Michael

    • meikel sagt:

      Och, wir gehen einfach unvoreingenommen auf Menschen zu. Das haben wir bei unserer Arbeit mit Flüchtlingen gelernt. Und wir wollen halt Land und Leute erleben – Strand und Hotelanlage überlassen wir den All-inclusive-Buchern 😉

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